Gerüstbau im Kanton Aargau – acht Themen, klare Antworten
Fördergesuch vor Baubeginn, Bewilligung nach § 103 f. BauG, Fahrleitung an der Fassade, Preis pro m² Gerüstfläche. Sortiert nach dem, was Bauherren, Verwaltungen und Bauleitungen im Aargau tatsächlich fragen.
Sanierung & Förderbeitrag
Wann muss das Fördergesuch eingereicht sein?
Vor Baubeginn, ohne Ausnahme. Das kantonale Förderprogramm Energie läuft seit dem 1. Mai 2026 in neuer Fassung. Wer zuerst dämmt und danach einreicht, geht leer aus. Die Reihenfolge lautet: Gesuch, Zusicherung, Gerüst, Dämmung, Abrechnung.
Ab welchem Beitrag verlangt der Kanton einen GEAK Plus?
Ab CHF 10'000 Förderbeitrag. Der GEAK Plus beschreibt den energetischen Zustand Ihres Gebäudes und die sinnvolle Reihenfolge der Massnahmen. Holen Sie ihn ein, bevor der Gerüsttermin fixiert wird – die Beratung läuft über die energieberatungAARGAU.
Warum ist der Aargau ein Sanierungsmarkt?
Von 156'246 Gebäuden mit Wohnnutzung sind 103'150 Einfamilienhäuser. 2024 entstanden nur 908 neue Wohngebäude. Den grössten Block stellt die Bauperiode 1946 bis 1980 – diese Fassaden, Dächer und Fenster sind heute fällig.
Wie lange bleibt das Gerüst bei einer Fassadendämmung stehen?
Kalkulieren Sie 6 bis 10 Wochen. Dämmplatten, Armierung, Deckputz und Spenglerarbeiten folgen aufeinander, dazwischen liegen Trocknungszeiten. Die Grundmiete deckt die ersten 4 Wochen ab, danach läuft die Verlängerung monatlich weiter.
Bewilligung & öffentlicher Grund
Braucht ein Gerüst im Aargau ein eigenes Baugesuch?
Meistens nicht. Ein temporäres Gerüst löst selten ein eigenes Verfahren aus. Bewilligungspflichtig wird es über zwei andere Türen: über die Beanspruchung von öffentlichem Grund und über den Schutzstatus des Objekts. Für öffentlichen Grund erteilt die Erlaubnis nach § 104 Abs. 2 BauG meist der Gemeinderat der Standortgemeinde.
Wer entscheidet, wenn das Gerüst in die Strasse ragt?
Auf Gemeindestrassen der Gemeinderat, das Gesuch nimmt die Bauverwaltung entgegen. Auf Kantonsstrassen erteilt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt die Erlaubnis. Beides steht in § 104 Abs. 2 BauG, bewilligungs- und gebührenpflichtig ist die Strassenbenutzung nach § 103 f. BauG. Die kantonale Abteilung für Baubewilligungen sitzt an der Entfelderstrasse 22 in Aarau. Verändert das Gerüst die Verkehrsführung, kommt ein Signalisationskonzept dazu.
Was passiert mit dem Trottoir vor dem Haus?
Ragt das Gerüst darüber, verlangt die Behörde praktisch immer einen geschützten Fussgängerdurchgang. Dazu gehören ein Schutzdach und eine Beleuchtung. Beides steht als eigene Position in der Offerte und taucht nicht erst auf der Schlussrechnung auf.
Was gilt in einer Aargauer Altstadt?
Aarau, Baden, Brugg, Lenzburg, Bremgarten AG, Zofingen und Bad Zurzach tragen im ISOS das Erhaltungsziel A. Rund 1'500 Objekte stehen zudem unter kantonalem Denkmalschutz nach § 32 Kulturgesetz. In diesen Perimetern regelt die Behörde häufig auch das Erscheinungsbild während der Bauzeit: Netzfarbe, Beschriftung, Standdauer.
Wie viel Vorlauf braucht eine Bewilligung?
In kleinen Gemeinden wenige Tage, in Baden, Aarau oder Wettingen mehrere Wochen. Kommt eine kantonale Zustimmung nach § 63 BauG dazu, planen Sie grosszügiger. Für eine reguläre Sanierung ohne öffentlichen Grund genügen 1 bis 2 Wochen.
Preis & Offerte
Womit muss ich beim Preis rechnen?
Für ein Einfamilienhaus mit 180 m² Gerüstfläche liegt die Spanne zwischen CHF 2'000 und 2'900. Enthalten sind Montage, vier Wochen Grundmiete und Abbau. Gerechnet wird mit CHF 11 bis 16 je m² Gerüstfläche – der Ansatz für Fassaden bis 10 m. Über alle Gebäudetypen reicht die Spanne bis CHF 30 je m².
Warum unterscheiden sich zwei Offerten für dasselbe Haus?
Weil die Gerüstfläche nur eine von vier Grössen ist. Dazu kommen Zugang, Nutzung von öffentlichem Grund und Standzeit. Ein Reihenhaus an einer Quartierstrasse in Rupperswil rechnet sich anders als ein Riegelbau in der Altstadt von Bremgarten AG.
Was kostet die Verlängerung nach den ersten vier Wochen?
Bei 100 m² Fassadengerüst liegt die Monatsmiete zwischen CHF 60 und 150. Die Spanne von CHF 0.60 bis 1.50 pro m² Gerüstfläche und Monat greift ab Woche 5. Verrechnet wird monatlich, nicht wöchentlich. Die ersten vier Wochen deckt die Montagepauschale ab.
Kommen amtliche Gebühren dazu?
Nur dann, wenn öffentlicher Grund beansprucht wird. Die Benützungsgebühr legt die Gemeinde oder der Kanton pro Fall fest. Sie erscheint als eigene Zeile, damit auf der Schlussrechnung keine Position auftaucht, die vorher niemand gesehen hat.
Wie schnell liegt die Offerte vor?
Bei klarem Auftrag innert 48 Stunden, bei kleinen Vorhaben oft schon am selben Tag. Drei Angaben beschleunigen die Berechnung: Fotos der Fassade, die Adresse der Baustelle und die geplante Standzeit.
Termin, Standzeit, Abbau
Wie lange dauert die Montage?
Ein freistehendes Einfamilienhaus ist an einem Arbeitstag eingerüstet. Ein Mehrfamilienhaus mit Balkonen braucht zwei bis drei Tage. In den Altstadtgassen von Aarau, Zofingen oder Laufenburg AG kommt ein halber Tag dazu. Die Zufahrt öffnet dort nur zeitweise.
Wann rückt die Anlieferung an?
Für Baustellen in Baden, Wettingen und Spreitenbach disponiert das Team vor 06:30 oder nach 09:00 Uhr. Dazwischen steht der Verkehr am Baregg-Tunnel. Schwere Motorwagen fallen zusätzlich unter das Nachtfahrverbot von 22:00 bis 05:00 Uhr und unter das Sonntagsfahrverbot.
Die Baustelle zieht sich – was jetzt?
Dann bleibt das Gerüst einfach stehen. Ein Anruf genügt, die Verlängerung läuft monatlich weiter, der Abbautermin rückt nach hinten. Von Oktober bis Februar drückt Hochnebel auf Aare-, Wiggertal- und Reusstal. Der Raureif auf den Belägen hält oft bis in den späten Vormittag.
Wann wird abgebaut?
Zwei bis drei Arbeitstage nach Ihrer Fertigmeldung. Bei etappierten Sanierungen sind Teildemontagen möglich, damit nicht die ganze Konstruktion auf die letzte Etappe wartet.
Wie schnell geht es im Notfall?
Nach Sturmschaden oder Wassereintritt steht das Gerüst innert 24 bis 72 Stunden, abhängig von der Materialverfügbarkeit. Nennen Sie Schadensbild und Adresse gleich im ersten Anruf, dann prüft die Disposition sofort das nächste freie Fenster.
Technik & Untergrund
Welcher Gerüsttyp passt zu meinem Gewerk?
Der Maler arbeitet vom Fassadengerüst, der Dachdecker braucht ein Dachfanggerüst an der Traufkante, der Solateur ein verstärktes Solargerüst. Für den Innenausbau in einem Altbau kommt ein Innengerüst nach SN EN 12811 zum Einsatz. Nennen Sie das Gewerk, das Team schlägt den Typ vor.
Wo liegt der Unterschied zwischen Fassaden- und Dachgerüst?
Das Fassadengerüst ist die Arbeitsebene an der Wand, ausgelegt auf Material und meist Lastklasse 3. Das Dachfanggerüst sitzt eine Etage höher und fängt an der Traufkante ab. An den Steildächern der Fricktaler Dörfer stehen beide zusammen.
Was hält ein Gerüst an einer Aussendämmung?
Nicht die Dämmplatte, sondern das tragende Mauerwerk dahinter. Die Anker werden durch die Dämmung geführt und die Durchdringungen anschliessend geschlossen. An Riegelbauten im Fricktal entfällt der Fassadenanker ganz – dort steht die Konstruktion frei und wird ballastiert.
Muss ich den Untergrund vorbereiten?
Räumen Sie Velos, Container und Pflanztöpfe vom Arbeitsstreifen. Alles Weitere übernimmt das Team: Auf dem Auenboden im Reusstal verteilen Kanthölzer und Platten die Last, an Hanglagen im Freiamt gleichen Ausgleichsrahmen und Konsolen aus. Betoniert wird nichts.
Was ändert sich, wenn Netz oder Plane dazukommen?
Die Windlast steigt – mit Netz spürbar, mit Plane sprunghaft. Die Bise zieht durch die Talachsen von Aare, Limmat und Wigger und ist der relevanteste Windfall im Kanton. Die Antwort darauf sind mehr Verankerungen und ein engeres Ankerraster. Bei Sturmwarnung wird die Plane geöffnet oder demontiert.
Reicht ein Rollgerüst?
Für einen Tag Storenmontage oder einen Anstrich bis 5 m Höhe ja – massgebend ist die Norm SN EN 1004. Ab einer Woche Standzeit oder in Hanglage am Mutschellen trägt ein verankertes System sicherer und meist auch günstiger.
Ab wann lohnt sich ein Treppenturm?
Sobald Werkzeug und Materialpaletten hoch müssen, wird die Leiter unverhältnismässig. Als Richtwerte gelten 10 m Gerüsthöhe, vier Wochen Standzeit oder Publikumsverkehr. An den Logistikhallen im Wiggertal mit Traufhöhen über 10 m gehört er zur Grundausstattung.
Wie plane ich das Gerüst für eine Solaranlage?
Pro Anlage steht das Gerüst rund 5 bis 10 Arbeitstage. Weil der Aargau ein Einfamilienhaus-Kanton ist, wandern die Module fast immer auf ein Bestandsdach. Installateur und Montageteam legen den Aufbautag gemeinsam fest, oft samt stufenweiser Demontage nach dem Stringbau.
Bahn & Industrieareal
Was gilt für ein Gerüst neben einem Bahngleis?
SBB-Fahrleitungen führen 15 kV. Verlangt sind je nach Lage eine Bewilligung der Bahn, die Erdung des Gerüsts und Abschrankungen. Eine Abschaltung der Fahrleitung gibt es nur in geplanten Fenstern und mit mehreren Monaten Vorlauf.
Welche Bahnen betrifft das im Aargau konkret?
Die Wynental- und Suhrentalbahn fährt abschnittsweise strassenbündig, die Fahrleitung hängt direkt an der Fassade. Dazu kommen weitere Strecken der Aargau Verkehr AG, die Limmattalbahn bis Killwangen-Spreitenbach und die SBB-Hauptachsen quer durch den Kanton. Sprechen Sie das Thema früh in der Planung an, nicht erst in der Ausführung.
Wie läuft ein Auftrag auf einem Industrieareal?
Über das Zutrittsregime des Betreibers. Chemie im Fricktal, Energieanlagen im Zurzibiet, Maschinenbau in Baden und Birr: Überall gelten Voranmeldung, Sicherheitsunterweisung und Badge. Bei einem Revisionsstillstand mit fixem Fenster entscheidet genau das über den Terminplan.
Sicherheit & Verantwortung
Welche Vorschriften gelten für Gerüste in der Schweiz?
Massgebend sind die Bauarbeitenverordnung und die Merkblätter der SUVA. Geprüft werden Seitenschutz, Dachfanggerüst bei Dacharbeiten, Belagsabstand zur Fassade, Zugänge, Verankerungsnachweis und die Kennzeichnung der Lastklasse. Diese Regeln gelten in Rheinfelden AG genau wie in Muri AG.
Was heisst normkonforme Übergabe?
Montage nach SN EN 12810/12811, protokollierte Verankerungswerte und eine schriftliche Freigabe mit Datum und Unterschrift. Das Protokoll hängt am Aufstieg und ist damit für Bauleitung und Kontrolle sofort greifbar.
Wie oft wird ein Gerüst kontrolliert?
Täglich per Sichtprüfung durch den Nutzer, nach Sturm und starkem Schneefall zusätzlich. Aargauer Siedlungen liegen zwischen rund 265 m am Rhein bei Kaiseraugst und über 600 m im Jura. Oben fällt Schnee früher. Dazu kommt alle vier Wochen eine dokumentierte Inspektion.
Wer haftet bei einem Unfall?
Die Verantwortung teilt sich auf drei Rollen. Montage und Statik liegen beim Gerüstbauer. Sichtkontrolle und Benutzung liegen beim ausführenden Handwerker. Die Bauüberwachung liegt beim Bauherrn. Das Freigabeprotokoll hält fest, ab wann welche Rolle übernimmt.
Muss der Gerüstbauer zertifiziert sein?
Vorgeschrieben ist die Zertifizierung nicht. Bei Versicherern, Generalunternehmern und öffentlichen Auftraggebern gilt der SGUV-Ausweis trotzdem als Grundvoraussetzung. Er deckt Normkonformität, Statikprüfung und laufende Weiterbildung ab und wird auf Industriearealen regelmässig verlangt.
Material mieten
Kann ich Material ohne Montage mieten?
Ja, sofern Ihre eigene Crew aufbaut. Voraussetzung sind ein gültiger SGUV-Ausweis und der Statiknachweis. Geliefert wird tagsüber, denn schwere Motorwagen fallen zwischen 22:00 und 05:00 Uhr unter das Nachtfahrverbot.
Ab welcher Dauer rechnet sich die Miete?
Möglich ab einer Woche, wirtschaftlich ab etwa vier Wochen Standzeit. Je länger die Konstruktion steht, desto tiefer fällt der Preis pro m² Gerüstfläche. Montage und Abbau verteilen sich auf mehr Wochen.
Was steht zur Verfügung?
Rund 12'000 m² Modulgerüst, dazu Treppentürme, Rollgerüste und Schutzdächer. Nach Auftragsbestätigung geht die Lieferung in der Regel am Folgetag raus, abgestimmt auf Ihr Zeitfenster auf der Baustelle.
Ihr Fall steht nicht dabei?
Dann kurz anrufen.
Beschreiben Sie das Objekt in zwei Sätzen. Für Ihre Baustelle im Aargau folgt die Offerte innert 48 Stunden.